08. Dezember 2015

#1 von Admins-Team , 08.12.2015 11:23

8. Dezember


Wer kennt sie nicht, die kleinen schwarz gekleideten Gesellen, Kurrendesänger, die eine sehr lange Tradition haben und in vielen Adventsdekorationen nicht mehr weg zu denken sind.

Über ihre Bedeutung lass ich einen Mann zu Wort kommen, der einer der ältesten und bedeutensten Spielzeugwerkstätten in Seiffen in langjähriger Familientradition betreibt. Die Firma Müller GmbH in Seiffen.



„DIE KURRENDE
Vor einigen Jahren habe ich sie geschenkt bekommen:

Meine kleine Seiffener Kirche mit der Kurrende. Ein Geschenk, das mich angerührt hat, wohl deshalb, weil es mich an die eigene Kindheit erinnert: Ich sehe mich noch heute im schwarzen Mantel und weißen Kragen stehen und voller Lampenfieber das Lied "Alle Jahre wieder" anstimmen. Kurrendesingen ist etwas, das eine lange Tradition seit dem späten Mittelalter hat. Kein Geringerer als Martin Luther war ja Kurrendesänger. Kurrende, das bedeutet wörtlich übersetzt: "die laufen müssen". So war es in alter Zeit üblich: Kinder zogen singend durch das Dorf oder die Stadt, um Menschen mit Liedern Trost und Freude zu bringen, zur Advents- und Weihnachtszeit, aber auch bei Taufen und Hochzeiten und Beerdigungen.

In unserem Seiffen hat das Kurrendesingen eine besondere Tradition, denn die Spielzeugmacher haben hier ihre Kurrende in Holz nachgestaltet und so in aller Welt bekannt gemacht. In Seiffen in der Kurrende zu sein, das ist eine große Ehre, das bedeutet aber gerade im Advent auch viel Arbeit: Fünf Adventsmusiken hier in der Kirche sind mitzugestalten, danach geht es in der Regel von 16 - 19 Uhr zum Häusersingen, bei denen möglichst in jedes Seiffener Haus die Botschaft von Weihnachten getragen wird. Aber auch in allen vier Adventsvormittagsgottesdiensten gilt es mitzusingen und am Heiligabend beim Laternenzug dabei zu sein. Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es Einsätze und in die Schule muß man ja auch noch ein bißchen gehen. Doch Gott sei Dank, ihr seid da, ihr wetterharten Mädels und Jungs. Ganz herzlichen Dank für euren Dienst. Ich denke, es ist etwas ganz wichtiges, was ihr da tut, etwas, das Jesus selber uns aufgetragen hat. Er hat ja gesagt: "Geht hin in alle Welt, sagt allen Leuten die Botschaft von mir weiter." Ihr, liebe Kurrendekinder tut das. Und ein bißchen sollten wir alle, für unser ganzes Leben, Kurrendesänger bleiben, Leute, die das Licht von Weihnachten weitertragen, vielleicht auch dann, wenn sie davon noch nicht jedes Wort, jede Einzelheit begriffen haben. Und nun sage ich noch etwas für die Erwachsenen: In der Kurrende gesungen zu haben, das prägt für ein ganzes Leben. Das bestätigen mir viele alte Menschen, die mir begeistert erzählen: "Ich war auch auf der Kurrende." Fast alle Lieder, die sie damals gelernt haben, die kennen sie heute nicht nur noch, sondern haben sie im Herzen.


Nun frage ich mich: Haben unsere Probleme in der Bildung ihre Gründe eventuell auch darin, daß das Singen mit Kindern viel zu wenig geübt wird? - Ich bin fest überzeugt: Dort, wo Kinder in einer Kurrende singen, da passiert automatisch das, wovon heute soviel geredet wird: Da geschieht ganz ohne pseudopädagogische Mätzchen Wertevermittlung, da lernen Kinder sich einzuordnen in eine Gemeinschaft, lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und das ist inzwischen erwiesen: Wer viel singt, der kommt auch in Mathematik und in den Sprachen besser zurecht. Wissen das die Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft wirklich?

Vor allem aber geschieht im Singen das, was im Psalm 78 einmal so ausgedrückt ist: "Was wir gehört haben und wissen und unsere Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschweigen unseren Kindern. Wir verkündigen den Ruhm des Herrn und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat. - Es ist ein ganz enorm wichtiger Dienst, das wir als Eltern und Großeltern unseren Kindern und Enkeln den Glauben weitergeben und es gibt wohl keine intensivere Art das zu tun, als mit ihnen zu singen."

Dazu wollen wir Ihnen mit unserer Adventsmusik ein wenig Mut machen. Freuen wir uns an den Melodien und Harmonien und tragen wir sie fröhlich weiter.“

Edmund Oswald Müller gründet mit seiner Frau Lina 1899 am Schindelberg 8 den Betrieb in Seiffen und legt damit den Grundstein des heutigen Familienunternehmens. Die Produktion besteht zunächst vorwiegend aus Miniaturen, Miniaturstuben und Miniaturstuben in Streichholzschachteln sowie Autos, Flugzeuge und Schmuckkästchen aus Holz.

Und das ist "unsere" Seiffner Kirche

 
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