An Aus


RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#1 von Viktor , 02.10.2009 13:47

Heute früh war ich für eineinhalb Stunden im Zoo. Hier schon mal für die, die nicht warten möchten, ein paar Bilder.

Als wir ersten Besucher bei Nieselregen am Gehege eintrafen, war Knuti noch alleine draußen. Er döste hinten in seiner Kuhle, schaute ab und zu einmal auf und schien recht entspannt.

Dann ging der Schieber laut hörbar auf, und nach kurzer Zeit betrat Gianna die Szene. Mit Knutis Ruhe war es dann vorbei.







Allerdings schien es mir so, dass Knuti inzwischen doch etwas mehr Souveränität gewonnen hat. Als Gianna ihm ein wenig zu nahe kam, fauchte er sie hörbar an. Auch sonst verfolgte er sie eifrig und ließ sie nicht aus den Augen. Mutig war er vor allem, wenn Gianna sich von ihm entfernte. Sobald sie sich umdrehte, macht er ebenfalls kehrt und lief recht eilig aus ihrer "Reichweite". Die folgenden Szenen zeigen das beispielhaft.















Gianna dreht sich um und Knut eilig ebenfalls:

















Ich weiß nicht wie es mit den beiden weitergehen wird, aber mir scheint es immer noch so, als würden die beiden ihr Terrain gegeneinander abstecken. Knut unternimmt für mein Empfinden zunehmend, wenn auch zaghaft, Versuche, sein Terrain zu behaupten bzw. zurückzugewinnen. Ich habe allerdings NICHT den Eindruck, dass er Gianna "gewinnen" möchte bzw. sich wirklich für sie interessiert. Umgekehrt auch nicht. Aber das kann ja noch werden.








:winkewinke: Viktor


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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#2 von Frans , 02.10.2009 14:08

Hallo Viktor,

Herzlichen Dank für ihre Bilder und interessante Observationen. Ich denke du hast recht, es geht Knut nicht nur um eine Gefährtin, aber auch auf das behalten von sein "Reich". Sein ganzes Leben steht naturlich auf dem Kopf ...

Hast du gesehen, ob er seit er gemeinsam mit Gianna auf die Anlage ist, noch interesse hat an sein Spielzeug? Oder, ob Gianna interesse hat an Knut's Spielzeug?

Ich bin sehr gespannt auf den weitere Entwicklungen. Ich hoffe das über drei Tage mit eigene Augen zu sehen ...

:winkewinke:
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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#3 von Gitta , 02.10.2009 14:31

Lieber Viktor,

ganz herzlichen Dank für Deinen informativen Zwischenbericht und die schönen Bilder.
Ich denke mal, dass sich beide Bären in einer schwierigen Entwicklungsphase befinden. Sie sind schon zu alt, um herumzutollen, wie absolute Jungbären und sie sind noch nicht alt genug, um sich anderweitig füreinander zu interessieren.
Dazu kommt, dass Giovanna schon schlechte Erfahrungen hinter sich hat und bereits zweimal umziehen musste. Dafür benimmt sie sich in meinen Augen ganz erstaunlich souverän.
Knut hat ja noch nie Eisbärkontakt gehabt und war bisher der Souverän in seinem Biotop. Für ihn muss das im Moment wie ein feindliches Eindringen herüberkommen.

Ich denke, wir können uns freuen, dass Knut ein sanfter Bär ist, denn ansonsten würde es zu ganz massiven Problemen kommen.
Was mich sehr freut ist, dass man beobachten kann, wie wenig Knut sich im Moment für andere Dinge interessiert.
Selbst wenn es noch eine ganze Zeit dauern wird, bis es zu einem entspannten Miteinander kommt! Es ist in meinen Augen die allerhöchste Zeit, Knut mit einer Bärin in Kontakt zu bringen. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es noch zu heftigeren Auseinandersetzungen kommen kann, wenn es um die endgültige Festlegung der Hierarchie geht. Knut wird zunehmend selbstbewusster.
Trotz allem wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass Giovanna die dominantere von beiden ist. Das halte ich für völlig normal. Im Tierreich ist es sehr verbreitet, dass weibliche Tiere ranghöher sind.

Sehr häufig werden Tiergemeinschaften von Weibchen angeführt.
Das ist auch gut so, denn letzendlich sind sie es, die die Jungtiere aufziehen.
Darum gehen Kämpfe unter Weibchen sehr häufig mit Verletzungen oder sogar dem Tod einher, wohingegen Männchen meistens nur Kommentkämpfe führen, die meist gefährlicher aussehen als sie es in Wirklichkeit sind. Es sind salopp gesagt "Machokämpfe" und dienen in letzter Konsequenz nur dazu, dass in einer Tiergemeinschaft dauerhaft Frieden herrschen kann und es nicht immer wieder zu Rangordnungsproblemen kommt.

Ich würde mir wünschen, dass viele Leute, die Knut am Gehegerand anfeuern, dass er einmal zeigen soll, dass er der Herr im Haus ist, sich etwas mehr mit ethologischem Gedankengut auseinandersetzen würden.
Tiere ticken anders! Manchmal denke ich: Gott sei Dank!!
Anerzogenes Rollenverhalten beim Menschen sollte nicht auf Tiere übertragen werden.

Interessant wäre es, wie sich beide Bären in einem wirklich großen Revier verhalten würden. Geringeres Raumangebot führt immer zu einer gewissen Stresssituation, selbst wenn Fluchtwege da sind.

Ich drücke beiden Bären weiterhin ganz doll die Daumen.
Die Pfleger machen einen super Job! Das kann man gar nicht oft genug betonen; und bisher kann man doch mit dem bisherigen Verlauf halbwegs zufrieden sein.

Ich freue mich schon auf weitere Bilder von Dir!

Liebe Grüße
:knuti_geschminkt: Gitta :gianna:


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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#4 von babs , 02.10.2009 16:48

Lieber Viktor,
liebe Gitta,

zu einem Danke für diese wunderbare Fotolieferung von heute. Das ist Service vom feinsten, man kann nicht meckern.
Auch wenn Gitta darauf aufmerksam macht, dies nicht zu vermenschlichen, hab ich den Eindruck, wenn ich diese wunderbaren Bärchen sehe

-was sich neckt das liebt sich-

da ich nicht vor Ort bin, sage ich was ich auf den Fotos sehe. Das diese Situation für beide Bären sehr schwierig ist, steht außer Frage, aber Beide gehen es nicht aggresiv an. Sie ziehen diese wunderbar süße Schnuppe, fauchen sicherlich, aber gehen sich nicht mit Macht an die "Wäsche" was sicher ein großes Verdienst der Tierpfleger ist. Ich glaube schon das man hinter den Kulissen genau erprobt hat, was ist machbar und was besser nicht. Mein Lieblingsfoto vom 01.10. ist das wo zwei Augenpaare vom Felsen das Geschehen auf der Anlage verfolgen. Beide Pfleger sehen zufrieden aus, ja ich glaube sogar ein kleines glückliches Lächeln zu erkennen.

Ich glaube jetzt auch zu wissen das Knuti sich nicht in dem Brett erkannt hat. Er war stets nah mit sich und so sollte es ihm nicht fremd und angsteinflößend vorkommen, was es jedoch ist. Kann sein der Geruch spielt dabei eine große Rolle, dies vermag ich nicht zu sagen. Es ist nur ein Gedanke von mir.

Ich bin aber vollkommen zuversichtlich das es mit den Beiden klappen wird, sie brauchen nur ihre Zeit, Grund der uns bekannten Lebenssituationen der Beiden.

Ich danke für die tollen Fotos und die sehr aufschlußreichen Ergänzungen hierzu. Ich werd' alt wie 'ne Kuh und lern' immernoch dazu!

Liebe Grüße

babs :winkewinke:

 
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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#5 von Viktor , 02.10.2009 22:40

@ Gitta, Babs

Den Berichten vom Nachmittag nach zu urteilen, scheinen sich die Dinge zum Glück in die richtige Richtung weiterzuentwickeln.

Lasst uns als weiter die Daumen drücken für :knuti_geschminkt: und :gianna:


Meine Fotos sind jetzt in einer etwas umfangreicheren Form auf http://www.knut-fotos.de online.

:winkewinke: Viktor


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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#6 von water , 03.10.2009 14:31

Knut ist sehr vorsichtig und Giovanna tritt dominant auf. Das muß sie auch. Sie ist in einer fremden Umgebung mit neuen Eindrücken und hat es dadurch viel schwerer.Auch wenn im Moment Knut mehr schwitzt.Ob Eisbären bei Sorge schwitzen?
Schön zu sehen, dass Giovanna eher die Gefahr aus der Richtung Braunbärgehege sieht als bei Knut. Und sie läßt nun beim Springen die Augen offen.
Danke für die klasse Bilderfolge.


 
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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#7 von GiselaH , 03.10.2009 16:04

Hallo Viktor,

Deine Fotos sind sehr beeindruckend und zeigen wirklich gut, was Du so genau beschrieben hast. Ich hatte den gleichen Eindruck wie Du. Knut fühlte sich gestern Vormittag irgendwie nur auf seinem Sandbett sicher. Neugierde, Unsicherheit und Vorsicht bestimmen sein Verhalten.
Ich hoffe, dass die beiden Bären sich erst einmal weiter so vorsichtig annähern, wie bisher. Die Fronten werden sie allerdings irgendwann klären müssen.
Wie Gitta bin ich mir auch nicht sicher, ob die Bären noch ein intensives spielerisches Verhältnis zueinander finden können. Aber es ist gut, dass Knut endlich lernen kann, ein Eisbär zu sein.

GiselaH :winkewinke:

 
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RE: Fotos vom 02.10.09: Beobachten, verfolgen, zurückziehen

#8 von Ludmila , 03.10.2009 22:35

Hallo Viktor!
Danke für die Bilder. Ich hoffe die Bären gewöhnen sich aneinander und fangen an zusammen zu spielen. Wie die Entwicklung weiter läuft hängt davon ab ob die Beide zusammen bleiben.
Liebe Grüsse


 
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