RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#1 von Ulli J , 25.03.2010 08:11

Nun ist es keineswegs so, dass in Orsa immer die Sonne scheint. Als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg hinauf in den Bärenpark machten, hatte es über Nacht geschneit und während wir durch den Wald fuhren, war man versucht zu sagen: „Ja mei ist denn schon wieder Weihnachten.“ Die Bäume sahen aus, als ob man sie mit Puderzucker bestreut hätte und die Tags zuvor noch schmutzigen Straßenränder erstrahlten in frischem Weiß.



Auch die Eisbärenanlage sah wie frisch gestrichen aus. Zuerst war von den Eisbären nichts zu sehen. Wir setzten uns im Ausstellungsgebäude vor das Fenster und schauten uns die große Anlage an, ein bisschen über uns selbst verwundert, dass wir so eine Freude an dem schwedischen Winter hatten, wo wir vor ein paar Tagen doch zuhause den Frühling herbei gesehnt hatten. Die ganze Eisbärenanlage ist von den Spuren der Bären durchzogen, da wo sie gelaufen, gerollt und gerutscht sind. Viele Löcher erzählen von Ewas „Buddelleidenschaft“ und Schlafkuhlen vor allem am Zaun entlang zeigen die Plätze, wo Wilbär und Ewa ausruhen. Man sieht, dass die Beiden den gesamten Platz, der ihnen zur Verfügung steht, nutzen.



Bald entdeckten wir die beiden Eisbären, die langsam vom anderen Ende der großen Anlage durch den tiefen Schnee den Hang hinunter wanderten – vorne weg Ewa gefolgt von Wilbär, der sich etwas mehr Zeit ließ. Schließlich gab es unterwegs alles Mögliche, das untersucht werden musste.



Wenn man Ewa auf dem Eis des zugefrorenen Sees so zuschaute, hatte man fast das Gefühl einen Eisbären in der Arktis zu beobachten. Sie begann schnell damit ein neues Loch zu buddeln und war erst zufrieden, als sie ihre Nase ins Wasser stecken konnte, schaute aber auch einmal an der Scheibe nach, wer denn da schon wieder stand.



Wilbär schnappte sich, als er unten angekommen war und festgestellt hatte, dass seine Freundin wieder mit ihrem Hobby beschäftigt war, eine seiner blauen Tonnen und demonstrierte seine Balancierkünste. Er legte sich zum Spielen gemütlich auf den Rücken und wirbelte die Tonne mit einer Tatze durch die Luft.





Nachdem er uns draußen am Zaun auf seine spezielle Art begrüßt hatte, musste er nachschauen, was Ewa in ihrem Loch gefunden hatte, und sie spielte auch ein bisschen mit der blauen Tonne. Ganz überzeugt schien sie aber nicht von dieser Beschäftigung zu sein. Es machte doch mehr Spaß mit Wilbär zu raufen und Nachlaufen zu spielen.



Bald wurden die beiden müde, sie gruben sich gemeinsam eine Schlafkuhle nicht weit vom Zaun entfernt. Ewa holte sich noch einen Zweig mit ins Schneebett, mit dem man vor dem Einschlafen noch ein bisschen schmusen konnte.



Während die Beiden eng nebeneinander schliefen, nutzten wir die Gelegenheit uns den Rest des Bärenparkes anzuschauen und bis hinauf zum Tiger Mountain zu wandern, von wo wir hinunter auf die Eisbärenanlage gucken konnten und beruhigt feststellten, dass wir nichts verpassten, Ewa und Wilbär lagen noch da, wo wir sie verlassen hatten, und schliefen.



Der Weg nach unten dauerte dann etwas länger, weil wir von ein paar munteren Braunbärenkindern, die nach dem Winterschlaf ihre frische Energie austoben mussten, aufgehalten wurden. So waren Ewa und Wilbär wieder aufgewacht, als wir unten in der Polar World ankamen. Sie spielten miteinander in der kleinen Anlage, durchpflügten, wenn sie hintereinander herliefen, den Tiefschnee, der aufspritzte, wenn sie sich hinein fallen ließen und bewiesen, dass sich Eisbären beim Spiel nichts schenken. Wilbär schnappte sich Ewas Ohr und „rang“ sie nieder, so wie er es von seiner Mutter gelernt hatte, aber Ewa kann das genauso gut wie er.





Es war gar nicht so einfach, das zu fotografieren, da die beiden für die Kamera viel zu nah vor dem Zaun herumtollten. Wir kletterten auf Schneeberge, die am Rand vor dem Zaun aufgetürmt waren, um einen besseren Standort zu finden und versanken prompt im Schnee. Vermutlich hätten Wilbär und Ewa uns ausgelacht, wenn sie uns überhaupt beachtet hätten. Sie waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um auf die Zoobesucher zu reagiern.



Und während ich da so vor dem Gehege stand und über den Schnee kletterte, mich über meine Unfähigkeit ärgerte, den Zaun auf den Fotos wegzuzaubern, damit ich Ewa und Wilbär ganz auf dem Foto ablichten könnte, statt immer nahe heranzuzoomen, da wurde mir auf einmal klar, dass ich gar nichts gegen diese Zäune habe. Sie schaffen mehr Platz für die Bären als breite Gräben als Gehegebegrenzung. Bären machen keine Fotos und was sind schon Fotos und Videofilme gegen die Realität. Wirklich begreifen wie gut dieses „Experiment“ hier in Orsa funktioniert, kann man sowieso nur, wenn man vor dem Gehege steht, wenn man sieht und fühlt, wie anders diese Bären leben als ihre Artgenossen in den anderen Zoos. Die Zäune sind jetzt im März übrigens glatt einen Meter niedriger als im Sommer. So hoch liegt nämlich der Schnee auf der anderen Seite.



Viel zu schnell verging die Zeit, bis wir uns von den Beiden wieder trennen mussten. Doch es blieben uns ja noch drei Tage bei Wilbär und Ewa. So rollten wir zufrieden zurück, kauften Holz für unseren Ferienwohnungskamin ein und schauten uns am Abend vergnügt unsere Fotoausbeute an.



Mehr Bilder vom verschneiten Vormittag: http://www.flickr.com/photos/ullij/sets/...689294236/show/

und vom turbulenten Nachmittag: http://www.flickr.com/photos/ullij/sets/...689357246/show/

 
Ulli J
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RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#2 von Ludmila , 25.03.2010 09:02

Hallo Ulli!
Ich dachte schon, dass in Orsa noch kein Frühling ist. Die Bilder sind schön.
Danke
LG

 
Ludmila
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RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#3 von Gelöschtes Mitglied , 25.03.2010 14:11

ach ulli
das ist alles einfach nur schöööön.bin ich froh das die wilhelma nicht auf den ganzen quatsch mit wilbär" braucht noch seine mama etc".eingegangen ist.
vielleicht hat er sie sogar ein paar tage vermißt.
aber was ist das schon gegen ein ganzes leben in dieser eisbär-herrlichen anlage.
das wohlfühlgefühl und die lebenslust der bären sieht man doch echt auf jedem foto.

und find das klasse das ihr die reise gemacht habt,die berichte und fotos freuen mich,ist doch klaro,stimmen mich aber auch nachdenklich.(nicht jetzt wegen knut und so),einfach bärenmäßig.

l.g. :winkewinke:


RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#4 von Gitta ( gelöscht ) , 25.03.2010 16:26

Ulli

Dein Mann hat mir eben eine Frage gestellt... und meine Antwort lautet: Ja!!

Und Du warst Zeuge! :kaputtlach:

Ich würde jetzt zu gerne wissen, was die anderen denken.

Gitta :kaputtlach: :kaputtlach: :kaputtlach:

Gitta

RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#5 von Goldammer ( gelöscht ) , 25.03.2010 19:50

Aus dem "Experiment" ist ein fast himmliches Paradies für die Eisbären geworden!
Also Ulli, der Bericht macht mich weiterhin atemlos vor Anteilnahme - und ganz doll auch vor Neid (das ist ja wohl klar, oder ;-) ?) Ich sitze gerade in Gedanken mit am Kamin und lasse alles Revue passieren, nicht nur die Bilder sondern auch das Emotionale dieser Tage...

Und die Frage an Gitta war bestimmt, ob sie die nächste Reise zu Wilbär und Ewa mitmacht :think: - da konnte sie nichts anderes sagen als: Ja :seufz:

LG
Goldammer

Goldammer

RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#6 von GiselaH , 25.03.2010 20:04

Hallo Ulli,

ich habe heute vormittag gesehen, dass einen neuen Bericht über euren Besuch in Orsa gibt. Der Arbeitstag ist mir dann ganz schön lang geworden, denn lesen und Fotos anschauen konnte ich erst jetzt.

Dein Bericht ist wunderbar und die Fotos einmalig schön :-P .
Irgendwie bilde ich mir ein, dass man sehen kann, wie selbstvergessen die Bären spielen und miteinander umgehen und wie wohl sie sich fühlen.
Wilbär und Ewa haben ganz eindeutig das große Los gezogen! In Grönklitt scheint einfach alles zu stimmen. Das Klima ist eisbärenfreundlich, das oder die Gehege sind riesig und haben alles, was ein Bärenherz begehrt, die Pfleger sind kompetent, freundlich und lieben ihre Tiere - da kann man bestimmt noch einiges mehr aufzählen.

Ich freue mich schon sehr auf deinen Bericht vom nächsten Tag in Grönklitt.

GiselaH :winkewinke:

 
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RE: Tag 2 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 18.03.2010

#7 von GiselaH , 25.03.2010 20:06

Das habe ich noch ganz vergessen!

Ich denke du hast recht, liebe Goldammer. Genau auf diese Frage hat Gitta mit "ja" geantwortet :-P !

GiselaH

 
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Tag 3 bei Ewa und Wilbär in Grönklitt am 19.03.2010
Winter time for Ewa and Wilbär (Youtube-Video)

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