RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#1 von agi , 26.07.2010 17:00

Hallo,
hier ist mein letzter Artikel zu diesem Themenkreis.

http://zoo-tierpark.suite101.de/article ... der-toeten

Lieber Gruß
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#2 von Ulli J , 26.07.2010 17:25

Hallo Agi,

ein sehr interessanter Artikel zu einem wichtigen Thema, dem ich voll zustimme. :top:

Entgegen den Umfrageergebnissen, habe ich schon häufiger beobachtet, dass Kinder weniger Probleme damit haben, wenn sie sehen, dass Tiere mit toten Tieren gefüttert werden. Z.B. im Zoo Aalborg stehen die vorbereiteten Futtereimer vor der Futterküche und die Zoobesucher können sich anschauen, was gefüttert wird. Als wir da waren, bekamen die Afrikanischen Wildhunde einen Pferdekopf. Die meisten Kinder haben sich das sehr interessiert angeschaut, bei den vielen Erwachsenen konnte man erkennen, dass sie das Futter mit gemischten Gefühlen anschauten und bei dem Anblick schlucken mussten. (Ich übrigens auch.)

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#3 von Marga , 26.07.2010 17:45

@Ulli J
Ich habe damit auch keine Probleme.Bin auf einem Bauernhof groß geworden,hab Freud und Leid gesehen,das prägt.
Das einzige Mal wo mir fast schlecht wurde war im Film:"Die Blechtrommel"-als aus dem Pferdekopf die Aale geschüttet wurden-auch das prägt-ich liebe Fisch-aber einen Aal könnte ich nie essen !!

:winkewinke: Marga


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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#4 von GiselaH , 26.07.2010 21:52

Hallo agi,

auch ich kann dem Artikel nur voll und ganz zustimmen.

Ich lebe (wieder) auf dem Land und ich habe das Gefühl, hier ist vielen Menschen noch bewußt, dass die meisten Tiere deshalb gezüchtet und gehalten werden, um als Nahrung für andere Tiere und für den Menschen zu dienen. Da wird auch niemand bleich, wenn der Wolf an einem ganzen Kaninchen oder Huhn herum zottelt.
Natürlich ist der Gedanke, dass ein überzähliges Zootier als Futter enden kann merkwürdig und wenn es sich um Besucherlieblinge handelt, dann wird einem schon das Herz schwer. Aber wenn man objektiv und sachlich darüber nachdenkt, dann kann man so etwas nicht verurteilen. Voraussetzung ist, dass solche Entscheidungen nach sorgfältiger Prüfung getroffen werden.

GiselaH :winkewinke:

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#5 von Ludmila , 26.07.2010 23:17

Hallo agi!
Ich finde, die Zoos dürfen die Tiere züchten nur wenn für die Jungtiere Platz vorhanden ist. Die Meinung „Wer züchtet, muss auch töten“ lehne ich entschieden ab.
LG

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#6 von agi , 27.07.2010 13:37

@Ludmilla

wenn du meine beiden anderen Artikel, wo es um den Nachwuchs geht, gelesen hast, dann hast du vielleicht übersehen, dass es hier nur um ganz wenige Tiere geht, die "überzählig" sind. Und dass man trotz "Populationsmanagement" das nie 100% verhindern kann.

Wie man auch nicht vorhersehen konnte, dass Urs und Berna zwei Buben wurden - Bärenmädchen wären (bin da aber nicht ganz sicher) mehr gefragt.

Das sollte man - fairerweise - bei den Diskussionen auch mit bedenken.

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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#7 von Ludmila , 27.07.2010 14:29

Agi
Es geht mir nicht darum ob es wenig oder viel sind. Wie definierst Du viel und wenig wenn es um Leben geht? Wenn für ein Tier kein Platz im Zoo vorhanden ist, dann soll der Zoo an die Öffentlichkeit gehen und um Hilfe bitten. In Zoos arbeiten Tierärzte, die um Verhütung, Sterilisation und Kastration sich kümmern sollen.
Es gibt schon ein Gerichtsurteil zum solchen Vorfall in Magdeburg.

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/7419686.html

LG

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#8 von Kater Colja ( gelöscht ) , 27.07.2010 15:11

@Ludmila
Deiner Meinung kann ich voll zustimmen.

Kater Colja

RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#9 von Ulli J , 27.07.2010 19:00

@ Ludmilla:

Die Tigerjungtiere, die in Magdeburg getötet wurden, waren keine "überzähligen" Jungtiere, sondern wurden getötet, weil zu spät festgestellt worden war, dass ihr Vater kein reinrassiger Amutiger war. Der Vater ist mittlerweile sterilisiert. Es wird also keine weiteren Nachkommen mehr von ihm geben. Und damit wird auch in Magdeburg in den nächsten Jahren keine Zucht mit Sibirischen Tigern mehr stattfinden.

Man hätte in diesem Fall sicher wenigstens versuchen sollen, ob man die Jungtiere nicht doch hätte in einen anderen Zoo vermitteln können. Schließlich ist das auch mit nicht reinrassigen Tigern aus Leipzig gelungen und auch der aus Inzucht stammende Antares hat einen guten Platz gefunden. Das ist ein anderer Fall, als die, die in Agis Artikel angesprochen werden.

Da die Zoos weder Geschlecht noch Anzahl der Jungtiere im voraus bestimmen können, wird es immer Einzelfälle geben, wo es keine andere Alternative gibt, als Jungtiere zu töten. Aber es sollten Einzelfälle bleiben und alle anderen Möglichkeiten sollten ausgeschöpft werden.

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#10 von Ludmila , 27.07.2010 21:51

Ulli
Ich weiß, dass in Magdeburg um einen anderen Fall, als Agi angesprochen hat, geht. Trotzdem waren die kleinen Tiger "überzählig“. Sie waren nicht reinrassig und deswegen schwere vermittelbar. Die Urteil ist richtungsweisend.
Du hast bestimt Recht:

Zitat
Da die Zoos weder Geschlecht noch Anzahl der Jungtiere im voraus bestimmen können



Mit dem zweitem Teil des Satzes

Zitat
wird es immer Einzelfälle geben, wo es keine andere Alternative gibt, als Jungtiere zu töten.



Für den Einzelfall kann man auch die Lösung finden.

LG

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#11 von Ulli J , 27.07.2010 22:01

@ Ludmilla:

Zitat
Die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, dass der Zoo nicht ausreichend geprüft habe, ob die Jungtiere nicht im Magdeburger oder anderen Zoos artgerecht hätten untergebracht werden können.



Das heißt für mich, dass wenn der Zoo ausreichend nach einem Unterbringungsplatz gesucht und keine gefunden hätte, die Jungtiere sehr wohl hätten getötet werden können. Nichts anderes hat der Zoodirektor des Alpenzoos Insbruck gesagt.

Im Fall der Tiger von Magdeburg kann ich die Ansicht des Gerichts verstehen. Die Jungtiere sind direkt nach der Geburt getötet worden, obwohl sie erst mit etwa 2 Jahren einen Platz benötigt hätten. Man hätte sich also durchaus noch Zeit für das Suchen lassen können. Aber vermutlich wäre der Aufschrei in der Öffentlichkeit noch lauter gewesen, wenn man Jungtiere getötet hätte, die vorher fröhlich im Gehege gespielt hätten.

Mir tun übrigens auch diese Tigerjungtiere leid, die nicht leben durften. Aber mir tun auch die Verantwortlichen in dem Zoo Magdeburg leid, die - ohne eigenes Verschulden - eine solche Entscheidung treffen mussten, die ihnen sicher nicht leicht gefallen ist. Sie können mit Sicherheit besser beurteilen, welche Schwierigkeiten es macht, Tiger, die sich nicht für eine Zucht eignen, in einer artgerechten Haltung unterzubringen als einfache Zoobesucher.

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#12 von Gitta , 27.07.2010 22:10

Es gibt einige Dinge in Zoos, die werde ich niemals verstehen, geschweige denn gutheißen können.

Das hier ist so eins!

Gitta


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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#13 von Ludmila , 27.07.2010 22:46

Ulli
Ich finde gut, dass die Staatsanwaltschaft sich mit dem Fall überhaupt befasst hat und noch dazu den Direktor zu Bewährungsstrafe verurteilt hat. Es tun mir die Tiere leid, der Direktor tut mir nicht leid. Er hat gar nicht versucht die Lösung zu finden. Die Tiger wären für die Zucht nicht geeignet. Den Besuchern ist nicht wichtig ob ein Tiger reinrassig ist oder nicht.
LG

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#14 von Ulli J , 27.07.2010 23:26

@ Ludmilla:

Im Zoo in Magdeburg ist Platz für zwei erwachsene Tiger. Sie haben zwei noch recht junge Tiger. Die Jungtiere hätten in zwei Jahren in einen anderen Zoo umziehen müssen. Die Verantwortlichen im Zoo Magdeburg, nicht nur der Zoodirektor, haben aufgrund ihrer Erfahrungen geglaubt, sie würden für die Hybriden keinen Platz finden. Ich habe es bereits gesagt, auch ich finde, dass sie die Entscheidung vorschnell getroffen haben. Sie hätten länger suchen müssen.

Es ging nicht darum, dass im Zoo von Magdeburg nur reinrassige Tiger gezeigt werden sollten. Das werden sie ja auch nicht, denn der Vater der Jungtiere ist ja auch ein Hybridtiger und verbleibt im Zoo Magdeburg.

Aber zu unterstellen, die Verantwortlichen hätten sich die Entscheidung leicht gemacht und unbegründet gehandelt haben, finde ich ungerecht. Als die Jungtiere gezeugt wurden, haben sie nicht gewusst, dass ihr Tiger nicht reinrassig war. Sie haben im Rahmen, des EEP Programms züchten sollen, und sich bestimmt auf die Jungtiere gefreut. Ich kann mitfühlen, was sie empfunden haben. Mein Mitgefühl gehört sowohl den Tieren als auch den Menschen.

Die Zoos sind im Rahmen der Arterhaltung darum bemüht, u.a. die Amurtiger, die in der freien Natur fast ausgestorben sind, wenigstens in den Zoos zu erhalten, um sie vielleicht später doch noch einmal auswildern zu können. Dazu muss man verantwortungsvoll züchten, um eine auch genetisch gesunde Population in den Zoos der Welt zu erhalten. Der Platz, der dafür zur Verfügung steht ist begrenzt. Deshalb ist es schwierig Hybridtiger unterzubringen. Ob eine so enge Beurteilung der Arterhaltung richtig ist, darüber wird auch in Fachkreisen diskutiert, weil ja auch in der Natur Hybridtiger vorkommen könnten. Das ändert aber erst einmal nichts an den Problemen einen Platz für die Tiere zu finden. Es geht nicht darum, dass man glaubt, den Zoobesuchern nur reinrassige Tiger zeigen zu müssen.

 
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RE: Abschlussartikel zu Nachwuchs im Zoo

#15 von Ludmila , 28.07.2010 09:21

Ulli
Ich bin der Meinung, wenn die Möglichkeit die überzählige Tiere zu töten im Einzelfall geschaffen wird, dass wird jeder Fall zum Einzelfall erklärt. Die Zoos sollen die Aussichten über die Unterbringung vom Nachwuchs prüfen, bevor die Paarung stattfindet. Auch die Möglichkeit, dass die Tierkinder männlich werden können, soll berücksichtigt werden. Wenn trotzdem die „ungewünschten“ Tierkinder geboren werden, dann soll der Zoo auch für sie einen Platz finden. Dann kann der Zoo auch an die Presse gehen.

Zu dem Fall in Magdeburg, finde ich das Urteil gerecht.

 
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