An Aus


Nachruf auf Troll

#1 von Frans , 16.03.2015 17:21

Nachruf auf Troll

Am Freitag, den 20. Februar 2015 ist Eisbär Troll in das Eisbärengehege im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin gestorben.
Er ist 28 Jahre alt geworden.



Troll
Wuppertal, 15. November 1986 - Berlin, 20. Februar 2015


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Frans
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RE: Nachruf auf Troll

#2 von Frans , 16.03.2015 17:22

Ich habe ein Bedürfnis einen Nachruf auf, und für, Troll zu schreiben.

Troll ist meistens bekannt als der grimmige Eisbär, vor allem wegen seine von seinem Vater Boris geërbte Gesichtsausdrückung. Ich möchte in diesem Nachruf das Bild von Troll gern etwas ausführlicher schildern, weil es mehr zu Troll und zu seinem Wesen, seine Charaktereigenschaften und seinem Leben gibt als ein grimmiges Gesicht.

Eine andere Grund für diesen Nachruf ist, dass in den Berichten in die Presse sehr vieles über Trolls Leben verwechselt und weggelassen ist, oder einfach nicht, oder falsch, übernommen wurde.

Hier also die wahre Geschichte, in soweit ich es als interessierter Zoobesucher rekonstruieren konnte.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#3 von Frans , 16.03.2015 17:23

Troll im Zoologischer Garten Wuppertal




Eisbär Troll, genennt nach einem norwegischen Waldgeist, ist am 15. November 1986 im Zoologischen Garten Wuppertal geboren. Seine Eltern waren Nina (Russland, 1978-Wuppertal, 2000) und Boris (London, 1. Januar 1978-Wuppertal, 9. September 2009).

Von Nina habe ich leider nur wenig Informationen gefunden. Nach Troll brachte Nina mit Boris im Zoo Wuppertal noch zweimal gesunden Nachwuchs zur Welt. Am 2. November 1992 wird Candy geboren. Am 25. Februar 1993 durfte sie erstmals mit Mutter Nina vor Publikum herumtollen. 1994 wurde die kleine Candy an den Toyohashi-Zoo in Japan abgegeben. Am 15. Oktober 1995 kam Svenja im Wuppertaler Zoo zur Welt. Am 7. März 1996 wurde sie dem Publikum präsentiert. Svenja wanderte ein Jahr später in die SeaWorld von Orlando (Florida, USA) aus. (4)



Eisbärin Nina und Eisbär Boris im Wuppertaler Zoo am 18. Juli 1982. Foto: Norbert Sdunzik, zoo-wuppertal.net.


Das junge Eisbärchen Troll wird von dem Zoo sehr lange geschützt und von den Besuchern weggehalten. Der Grund dafür ist mir unbekannt. Erst kurz vor Ostern 1987 wurde der schon am 15. November 1986 geborene, aber also eisern unter Verschluss gehaltene Nachwuchs erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, zur grossen Begeisterung des Wuppertaler Publikums.

Für den Menschen die Troll nur in seine spätere Jahre kannten, ist es vielleicht eine Überraschung, aber: Troll war, genau wie zwanzig Jahre später Knut, in seiner Jugend ein richtiger Star, der reihenweise die Herzen der Wuppertaler Zoobesucher brach. Der langjährige WZ-Fotograf Kurt Keil erinnert sich: "Die Wuppertaler waren ganz jeck auf ihren Troll". (4)



Eisbär Troll im Wuppertaler Zoo am 10. Mai 1987. Foto: Norbert Sdunzik, zoo-wuppertal.net.




Eisbär Troll im Wuppertaler Zoo am 10. Mai 1987. Foto: Norbert Sdunzik, zoo-wuppertal.net.




Das Foto-Ausschnitt oben, leider in schlechter Qualität, zeigt der kleine Troll der Küsschen gibt und sich lässig lehnt an Mutter Nina.
Troll scheint uns freundlich zu winken!


In diesem Artikel aus der Westdeutschen Zeitung ist eine Fotoreihe zu sehen von dem jungen Troll. Bitte unten das Bild klicken.. Fotos: Kurt Keil.

Es war eine schöne aber kurze Zeit. Am 20. Juli 1988 zog Troll um, nach dem Zoologischen Garten in Schwerin.

Das war damals eine kleine Sensation und ein Politikum dazu. Schwerin, in der ehemalige DDR, war damals eine Partnerstadt von Wuppertal. Die "Wuppertaler Eisbär-Connection" sollte hilfen, die innerdeutschen Beziehungen zu verbessern. (4)

 
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RE: Nachruf auf Troll

#4 von Frans , 16.03.2015 17:25

Troll in der Zoologischer Garten Schwerin




Die Eisbärenhaltung des Schweriner Zoos stand leider nicht unter einem glücklichen Stern.

Wie in so viele andere Zoos war auch in Schwerin die Eisbärenhaltung voll und ganz auf die Zucht konzentriert. Mal kurz gesagt: Das Erfolg der Zucht war das Erfolg der Eisbärenhaltung.

Leider wird das in vielen Zoos noch immer so gesehen. "So oft noch kommt das Argument: Wenn Tiere sich fortpflanzen, geht es ihnen gut. Aber zwischen Fortpflanzung und Wohlbefinden kann ein grosser Unterschied liegen - meistens ist da noch viel zu tun", laut Dr. Hanno Würbel, Professor für Tierschutz und Ethologie an der Justus-Liebig-Universität Giessen (2002-2011). (14)

Die Eisbärenhaltung im Schweriner Zoo fang in 1974 an mit Eisbärin Ruke aus dem Zoo Rostock und Eisbär Wrangel, einem Wildfang aus der damaligen Sowjetunion. Nachwuchs blieb aus und nach fünf Jahre gab der Zoo Ruke gemeinsam mit Wrangel an Zoo Rostock zurück. Grund, warum es nicht zu Nachwuchs kam, war möglicherweise die relativ hohen Alter von Ruke, die bereits 20 Jahre alt war, wenn sie von Rostock nach Schwerin kam.

Nach Ruke und Wrangel kam Eisbärin Evi, die leider schon nach kurzer Zeit starb.

Folgte ein erneuter Versuch mit Ruke und diesmal mit Churchill, beide aus Zoo Rostock. Auch dieses Versuch blieb erfolglos. Churchill wird gewechselt mit Bruno (seine Herkunft ist mir unbekannt) - auch ohne Zuchtresultat.

In 1988 wird von dem Schweriner Zoo beschlossen die Zucht mit einem jungen Pärchen neu aufzubauen. Und so begann Trolls Zeit im Schweriner Zoo. (8)

 
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RE: Nachruf auf Troll

#5 von Frans , 16.03.2015 17:26



Troll im Schweriner Zoo. Foto: Dr. Wolfgang Zessin.


Trolls Reise nach Schwerin ging nicht wie heutezutage üblich mit einen Tiertransportwagen, aber mit der Zug. Ich zitiere aus ein Artikel von Dr. Wolfgang Zessin: "Als er am 20. Juli 1988 mit der Bahn in Schwerin ankam, schien ihm die Trennung von seiner gewohnten Umgebung und der Transport in der engen, dunklen Kiste auf den Magen geschlagen zu sein. Da half kein gutes Zureden des Reviertierpflegers, Troll verweigerte die Nahrung. Erst nach einige Tagen begann er die ihm gereichten Leckereien (Honig z.B.) anzunehmen und nach etwas einer Woche frass er auch Fleisch und Fisch. Vielleicht fehlte ihm der vertraute Singsang seines bärtigen Wuppertaler Zootierpflegers." (9)

Über das Spielverhalten des jetzt 20 Monate alte Bärchen gibt viel zu erzählen, danke ein Artikel von Dr. Wolfgang Zessin. (9) Durch seine Beobachtungen lernen wir Troll kennen, wie den meisten von euch ihm eigentlich gar nicht kannten. Darum zitiere ich noch gern etwas ausführlicher.

Über Trolls erste Tagen in der Schweriner Zoo:

"Als wir Troll nach Tagen das erste Mal in die Aussenanlage liessen, ging er ohne Zögern, sich dabei aber nach allen Seiten umschauend, an den Wassergraben und stürzte sich kopfüber ins lange entbehrte Nass. Hier tollte er ausgelassen und mit sichtlichem Vergnügen umher. Dabei entwickelte er drei Spielarten. Entweder schob er, den Kopf unter Wasser, einen Wellenberg vor sich her oder er warf sich mit hoher Geschwindigkeit seitwärts ins Wasser, dass es laut platschte und hoch aufspritzte.
Besonderes Vergnügen schien es ihm zu bereiten, wenn Schulkinder, die vor dem Wassergraben standen, hell aufquietschten, weil sie von Wassertropfen getroffen wurden. Dieses Spiel mit den Besucherkinder wurde später noch um einige Nuancen reicher.
Sein drittes Spielchen im Wassergraben bestand darin, sich auf den Rücken zu legen und mit den Vorderpranken mal hier- mal dorthin zu langen und das Wasser zu bewegen." (9)

Der junge Troll war offensichtlich sehr gern und sehr oft ins Wasser. Das hat sich während seinem späteren Leben ziemlich geändert.

Vielleicht erinnert ihr noch, was für ein Angst die junge Gianna (Giovanna) hat für den andere Bärenarten rundum sie wenn sie wegen die Umbau des Hellabrunner Eisbärengehege für einige Zeit in Zoo Berlin war und mit Knut zusammengeführt wird. Offensichtlich hat Troll genau so eine Angst wie Giovanna, in seinem Fall für den Braunbären die nebenan das Schweriner Eisbärengehege lebten.

"Als Troll nach acht Tagen erstmals die beiden Braunbären zu Gesicht bekam, die in der Nachbaranlage nur durch Gitter getrennt umherliefen, zeigte er grosse Angst. Er schnaufte und brummte leise, urinierte und kotete sogar und hielt sich möglichst entfernt von den Braunbären auf. Auch hatte er die Lust am Baden völlig verloren. Erst nach fünf Tagen war seine Scheu soweit abgebaut, dass er erstmals in ihrem Beisein badete." (9)

Später versuchte Troll die Braunbären, vor allem die kleinere Bärin Ira, mit in sein Spiel zu beziehen. Ira war weniger interessiert und liess sich von Troll kaum beeindrucken.

Für Menschen hat Troll dagegen gar kein Angst. Wenn der Kurator dicht am Gitter kam, zum Beispiel beim fotografieren, kam Troll gleich angelaufen und versuchte mit seinen Pfoten durch die Stäbe zu langen.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#6 von Frans , 16.03.2015 17:27

Troll werd am 1. Dezember 1988 zusammengeführt mit einer knapp zweijährige Eisbärin aus dem Zoo Rostock, Kangra. Kangra kam mit sechs Monaten in die Rostocker Jungbärenanlage und war dort ein halbes Jahr mit jungen Kodiakbären zusammen. Sie war noch verspielter als Troll und den beiden waren wegen des interessanten Spielverhaltens bald einen beliebten Anziehungspunkt im Zoo.

Wie ging es beim ersten Treffen zwischen Troll und Kangra? Dr. Wolfgang Zessin: "Als wir die beiden Eisbären nach fünf Tagen der Eingewöhnung relativ früh das erste Mal zusammen in die Aussenanlage liessen, zeigte [Kangra] keinerlei Angst. Im Gegenteil, Troll, der viel grössere, robustere von beiden schnaufte und zeigte durch sein Ausweichen Respekt." (9)

Es dauerte aber nicht lange, vor die beiden völlig vertraut mit einander waren.



Troll und Kangra beim Spiel. Den Braunbären schauen zu. Foto: Dr. Wolfgang Zessin.


"Ein Spielchen im Wassergraben wussten sie immer wieder von Neuem zu variieren. Meist ging dabei Troll ins Wasser, sich umschauend, ob Kangra wohl auch folgte und legte sich dann auf den Rücken. Die junge Eisbärin ging hinterher und biss ihn spielerisch in den Hals, worauf ein "Ringen" im Wasser begann. Er umfasste sie mit den Pranken, biss ebenfalls spielerisch zurück und wurde von ihr unter Wasser gedrückt. Das spielerische Beissen in Hals, Pranken, Ohr usw. ging so lange, bis Troll etwas energetischer wurde. Dann flüchtete sie, von ihm gefolgt, aus dem Wassergraben. Draussen stellte er sie und häufig richteten sie sich dann auf den Hinterbeinen auf, sich gegenseitig umfassend und spielerisch beissend. Flüchtete sie dann wieder in den Wassergraben, so setzte Troll rasch nach und das Spiel begann von neuem [...]".

"Ganz besondere Freude schien es den Eisbären zu bereiten, wenn die Wassergraben der Aussenanlage mit frischem Wasser gefüllt wurde. Wer von beiden das Spielchen "erfand", können wir nicht sagen. Eines Tages beobachteten wir, dass Kangra und Troll den dicken Wasserstrahl, der unmittelbar neben dem Zwischengitter, aber in die Braunbärenanlage waagerecht hineinragte, mit der linken Vordertatze abdrückten. Dazu mussten sie den Tatze durch die Gitterstäbe stecken. Dabei spritzte das Wasser weit umher. auch sie selbst wurden über und über nassgespritzt, was ihnen besonders Vergnügen zu bereiten schien. Mehrfach kam es zu Streit zwischen Troll und Kangra um das Recht des Wasserspritzens. Dabei behauptete sich immer Troll. Erst wenn er genug von dem Spielchen hatte, kam Kangra an die Reihe."



Eisbär Troll behauptet das Spielholz gegen die Spielgefährtin Kangra. Foto: Dr. Wolfgang Zessin.


"Schiesslich sei noch ein letztes Spiel unserer Eisbären zu erwähnen. Mitte April 1989 gaben wir ihnen ein 55 Zentimeter langes und 12 Zentimeter dickes, rundes Stück Birkenholz ins Aussengehege. Troll nahm es sofort als Spielzeug an."

"Er trug es im Fang umher, roll es mit den Vorderbeinen und schob es im Wasser rasch vor sich her. Auch legte er sich im Wasser auf den Rücken und balancierte das Stück Holz mit den Vorderbeinen. Erst nach einer ganzen Weile (eine gute halbe Stunde war vergangen) bekam die junge Eisbärin das Holz, als Troll gerade etwas abgelenkt war. Kangra rollte das Holzstück zuerst mit beiden Vorderbeinen, dann nur mit einem. Wenn die Holzrolle an der Schräge zum Wassergraben hinunter polterte, lief sie sogleich hinterdrein und beschleunigte das Rollen noch mit einer Vordertatze. Gegen Troll wurde das Spielzeug mit erregtem Brüllen behauptet."

"Ein beliebtes Spielchen beider war auch, die Rolle unter Wasser zu drücken und sie dann wieder heraufschnipsen zu lassen. Doch schon am zweiten Tag besannen sich unsere Eisbären wieder auf ihre alten Spielchen und der Spielanteil mit dem Holzstück wurde wieder geringer, ohne jedoch aufgegeben zu werden." (9)









Fotos: Dr. Wolfgang Zessin.


So eine ausführliche - und deutlich auch begeisterte - Beschreibung hat es, in soweit ich weiss, vor Knut von fast keinen Eisbär gegeben. Nur von Eisbärin Brumas in England (London, 27. November 1949 - 17. Mai 1958), und, im kleinerer Massstab, von Eisbär IJdelheid (Emmen, Dezember 1972 - Osaka, 1974) sind mir ähnliche Beschreibungen bekannt.

Dr. Wolfgang Zessin war zur Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der Zoo Schwerin. Bemerkenswert finde ich es, das er als Mitarbeiter der Zoo so ausführlich über das Verhalten der Tiere publizierte. Es ist, meiner Meinung nach, besonder Beobachtungen zu Lebewesen einer Fachmann zu lesen der nicht meint sich hinten einen Deckmantel von distanzierte Professionalität verstecken zu mussen und dennoch die Sachlichkeit nicht aus den Augen verliert.

Zurückblickend: Merkwürdig das all diese geliebten Tieren jung gestorben sind.

Dr. Zessin endet seinem faszinierendes Artikel mit den Worten: "Was werden sie noch alles "erfinden", bevor die Geschlechtsreife den Tieren eine andere Spielrichtung gibt?" (9)

Eine schöne Zeit war es für Troll und Kangra. Leider werden wir nie wissen, wie es mit ihnen weiter gegangen wäre. Später in 1989 erlitt Kangra dasselbe Schicksal als Eisbärin Nancy im Zoo Berlin in 2014. Sie starb an einer Darmverschlingung.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#7 von Frans , 16.03.2015 17:30

Am 5. Oktober 1990 kam die neunjährige Eisbärin Teddy II (Köln, 3. Dezember 1980) aus der Zoo Köln nach der Schweriner Zoo.

Von den Eisbären im Zoo Schwerin habe ich - ausser den Bildern von Dr. Zessin - fast kein Bild gefunden. Das Bild von Troll oben an diesem Kapittel ist eine Ausnahme. Ebenso das nächste Video, Jahr unbekannt, in welche der ehemalige Zoodirektor Michael Schneider der Zoo Schwerin vorstellt. Ab circa 5.00 Minuten ist kurz das Eisbärengehege zu sehen. Weil Herr Schneider erst in 1994 antrat als Zoodirektor, darf man annehmen das den Eisbären im Bild Teddy und Troll sind.



Mit Teddy zeugte Troll in den Jahren 1992 und 1994 Jungtiere, die leider nicht überlebten.

Am 3. Dezember 1995 kam denn ein drittes Eisbärbaby von Teddy und Troll zur Welt. Es war genau am Teddy's fünfzehnten Geburtstag. Und dieses Jungtier überlebte!

Teddy's Schwangerschaft war besonder für eine Eisbärin. Ich zitiere: "Sie war sehr sensibel und reagierte äusserst allergisch auf das Betätigen der Schieber, insbesondere natürlich beim Schliessen derselben. Deshalb haben wir ihr ständigen freien Ein- und Ausgang gewährt, was in der bisherigen Praxis der Haltung von trächtigen Eisbären etwas Aussergewöhnliches war." (8)

Das leitete zu viele gut gemeinte Warnungen von Kollegen und andere Fachleute. Nur der Zoo Köln, woher Teddy kam, und wo man Teddy als Tierpersönlichkeit kannte, fand die Massnahmen der Schweriner Zoo ein gutes Idee.

Ich zitiere weiter: "[In Köln] kannte man ja unser Sensibelchen. Wir ordneten an, das Fahrzeuge die Bärenburg weiträumig umfahren mussten, um jede Störung auf ein Minimum zu reduzieren. [...] Teddy ging noch bis zum letzten Tag vor der Geburt auf die Aussenanlage, trank dort etwas Wasser, frass auch mal ein Salatblatt und verschwand dann wieder längere Zeit in ihrer dunklen Wurfbox." (8)

Teddy war eine sehr fürsorgliche Mutter und kummerte sich sehr gut um ihren Baby. Am 28. Dezember wagte man die Geschlechtsbestimmung des Babys. Warum man das so schnell tat weil man wüsste das Teddy eine sehr sensibele Eisbärin war, ist mir unbekannt. Gab es medizinische Gründe? Mir ich nichts bekannt von eine medizinische Behandlung die gleichzeitig mit der Geschlechtsbestimmung ausgeführt ist. War es reine Neugier vielleicht? Ohnehin, alles ging trotz grosser Aufregung von Teddy glücklicherweise gut über die Bühne. Das Kind von Teddy und Troll war einen Eisbärjungen.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#8 von Frans , 16.03.2015 17:31

Anfang März 1996 waren Teddy und das Eisbärbaby regelmässig auf die Aussenanlage.

Dr. Wolfgang Zessin als Augenzeuge: "Wie er da tollte, mit der geduldig alles über sie ergehen lassende Muttertier spielte und auch schon mal in Nähe des Gitters lief, hinter dem der Vater Troll seine Runden lief und auch ab und an drohte. Die Mutter brüllte dann schon mal, um ihm zu drohen und auch Troll liess hin und wieder seine Stimme drohend ertönen." (8)

So ging es monatelang weiter mit die kleine Familie. Der kleine Eisbär war sehr geliebt von den Zoobesuchern, die ihm in ihre Herzen schlossen. Er war der Liebling vieler Kinder, die sich bemühten einen guten Nam für das Eisbärbaby zu finden. Das kleine Eisbärkind wurde "Schneeball" getauft.

Die gute Zeit dauerte nur kurz. Am Sonntag 21. Juli 1996 passierte das Unsagbare. Schneeball kam zu kurz bei das Gitter, dass das Gehege von dem Vater von die Anlage wo Mutter und Kind lebten, trennte. Troll - nur seinem Raubtier-Instinkt folgend - griff seine "Beute", seinem Sohn. Das arme kleine Eisbärchen starb ein fürchterliche Tod.

Ihr hat höffentlich Verständnis dafür, dass ich euch weitere Details von diesen schrecklichen Tag erspare.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#9 von Frans , 16.03.2015 17:31

"Bei einer anschliessenden Untersuchung des Unfallortes stellten wir fest, dass die zwei cm dicke erste Eisenstange an der Betonkante ein klein wenig unter der Wasseroberfläche verbogen war, gross genug ebenfalls für eine kleine Tatze. Wann Troll das Gitter verbogen hatte, liess sich nicht mehr feststellen." (8)

Wobei man sich abfragen kann, ob es wirklich der Troll war, die diese Verbiegung gemacht hatte. Meiner persönliche Meinung nach transzendiert eine solche längere Vorausplänung das Denkvermögen einer Eisbär. Ich habe ebenfalls noch nie darüber gelesen.

"Jedenfalls" - ich zitiere weiter - "zeigt dieses Unglück wieder einmal, wie sorgfältig Eisbärenjunge von ihrem Vater geschützt werden mussen. Eisbären sehen in ihrem eigenen Nachwuchs nur die Beute, die es zu schlagen gilt. In den Eiswüsten der Arktis ist dieses Verhalten für den Fortbestand der der Art nicht von Bedeutung, da kaum ein Eisbär sich mit einer wütenden Mutter anlegt und zum Ausweichen ausreichend Raum vorhanden ist." (8)

Unter Zoobedingen ist das aber ganz anders. Die Anlagen sind viel zu klein um Möglichkeiten für den Tieren zu bieten sich auseinander zu gehen. Etwa ein Viertel der Lebensmittelladen in unsere Länder ist grosser wie den grossten heutigen Eisbärengehegen in niederländischen und deutschen Zoos ... Den Tieren sind immer in Geruchsabstand und oft auch in Sicht von einander. Es sind Lebensbedingungen, die völlig in Konflikt sind mit eine so artgerecht wie möglichen Haltung.

Sicher hat der Schweriner Zoo absolut kein Absicht gehat, so etwas passieren zu lassen. Dennoch kommt die Frage auf, warum den beiden Gehegen nicht besser von einander gesichert waren.

Jeder Bärenpfleger und jeder Bärenfreund weiss, dass Bärenmänner in der Regel nicht gut auf ihren Nachwuchs zu sprechen sind. Wenn Vater und Nachwuchs in Nachbargehegen gehalten werden, dann soll ein doppeltes Gitter hin oder eine dicke Glasscheibe. In den neunziger Jahren wusste man das auch und ein zweites Gitter hätte nicht die Welt gekostet ...

Ob der Schweriner Zoo in diesem wirklich eine negative Ausnahme war unten den Zoos weil sie diese genennte Vorsichtsmassnahmen offensichtlich nicht genommen hatten? Ich habe nicht genugend Informationen darüber. Ich glaube aber von nicht.

Schockierend ist es in diesem Verband zu lesen, das laut K. Linke (10) in die Jahre 1984 bis 1994 die Statistik von Totesursache bei jungen (Zoo-)Eisbären zwischen ein bis neun Jahren angebt, das sie in 37% der Fälle durch Männchen getötet wurden.

Dr. Ulrike Stephan erweitert das Thema in ihre Dissertation aus 2006: "In der Natur ist die Sterblichkeit der Eisbären hoch [...]. Sie besteht in 10% Verlust in den ersten Wochen und 38% innerhalb des ersten Jahres. Die Reproduktion und Aufzucht bei Eisbären im Zoo sieht auch nicht sehr ermutigend aus. Zwischen 1984 und 1994 wurden in 83 Zoos Europas Eisbären gehalten, aber in nur 43 Zoos gab es Geburten. Aufgewachsen sind die Jungtiere in nur 26 Zoos. Von der Zahl der Jungen aus betrachtet bedeuten diese Daten: von 304 Jungtieren in 191 Würfen starben 199 vor Erreichen des 6. Lebensmonats. Demnach sind nur ein Drittel aufgewachsen. Frühe Verluste gibt es innerhalb der ersten 24 Stunden (30%), 50% sterben innerhalb der ersten Wochen." (7)

Ob nach Anleitung diesen Daten von Zoos Massnahmen unternommen sind, ist mir leider unbekannt.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#10 von Frans , 16.03.2015 17:32

Wie ging es inzwischen weiter im Zoo Schwerin? Sicher waren Leitung und Personal erschüttert durch das schreckliche Ereignis. Dasselbe gelt für den Besuchern. Es spielte sich ab am einen Sonntag in einem gut besuchten Zoo. Darüber habe ich aber keine weitere Informationen.

Ich zitiere mal wieder aus das Artikel von Dr. Wolfgang Zessin: "Der Zoo Schwerin wurde auch durch dieses Ereignis darin bestärkt, auf der alten Bärenanlage mit Eisbären nicht mehr zu züchten. Insbesondere nach Fertigstellung unserer schönen Braunbärenanlage, war auch den Besuchern der Unterschied in der Tierhaltung dieser beiden Arten deutlich vor Augen. Der berechtigten Forderung nach einer ähnlich grosszügigen Haltung standen unsere sehr beschränkten Mittel gegenüber. So blieb als einzige Konsequenz nur übrig, die so überaus beim Zoopublikum beliebten Eisbären an einen anderen Zoo abzugeben, wo sie bessere Bedingungen vorfinden." (8)

Und so gab der Zoologischer Garten Schwerin die Eisbärenhaltung auf.

Ich finde, es ist der Zoo zu loben, dass er das Ereignis zwar aus der Sichtweise von 1996 aber offen und, in soweit ich das beurteilen kann, relativ ehrlich in die Öffentlichkeit gebracht hat durch das Artikel von Dr. Wolfgang Zessin (8). Während eine Führung im Apenheul, dem Affenzoo in den Niederlanden, sagte mir einmal Herr Frank Rietkerk, der Direktor Zoologie des Zoos, dass er unten keinen Bedingung haben möchte, dass sein Zoo "dunkele Ecken" für den Besuchern hat. Ein Zoo sollte in seinen Augen transparant sein in allen Aspekten seiner Geschäftsführung. Es ist eine Satz, die ich immer in Erinnerung erhalten habe und eine Sichtweise, die meiner Meinung nach absolut Nachfolgung verdient.

Es gelang der Zoo Schwerin nicht, beide Eisbären gemeinsam als züchtendes Pärchen unterzubringen. Ob man das in der Fall von Teddy und Troll überhaupt noch tun sollte, ist meinerseits nicht so sehr eine Frage aber eher eine Festsetzung.

Teddy lebte noch bis 1. November 1997 in der Schweriner Zoo. Danach fang für die Eisbärin eine lange, lange Wanderung an. Sehr ungewöhnlich für eine Eisbärin in einem Zoo -meistens sind es den Eisbärmänner die wandern ... Auch ohne weitere Informationen kann man, denke ich, nicht anders konkludieren dass man nicht wüsste, was mit Teddy an zu fangen ...

Von 1. November 1997 bis 27. Mai 1998 war sie im Allwetterzoo Münster. Von Münster zog sie um in den Zoo in Duisburg, wo sie von 27. Mai 1998 bis 5. November 1998 lebte. Von 5. November 1998 bis 29. März 1999 war sie wieder in ihre "Heitmatzoo" Köln.

Seit 29. März 1999 lebte sie im Safari de Peaugres, ein 80 Hektar grosses Tierpark in den Rhones-Alpes, südlich von Lyon. Dort ist sie am 19. April 2011, über 30 Jahre alt, gestorben. (3)

Troll verliess am 18. Februar 1997 den Zoo Schwerin.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#11 von Frans , 16.03.2015 17:33

Troll in das Tierpark Friedrichsfelde in Berlin




Troll zog in den Tierpark Friedrichsfelde in Berlin. Dort lebte er viele Jahre mit Eisbärin Aika zusammen.

In Dr. Ulrike Stephans Dissertation (7) gebt sie eine Beschreibung von das Gehege, das die Situation von 2003-2004 hergebt aber die insoweit ich weiss im grossen ganzen auch heute noch aktuell ist. Nirgendwo hat Troll so lange gelebt als im Tierpark Friedrichsfelde. Ich denke, es ist darum gut hier kurz das Gehege zu schildern, vor allem für derjenigen, die es nicht aus eigener Beobachtung kennen. Die Anlage "hat eine Gesamtgrösse von circa 1800 m2. Es ist eine einteilige Anlage ohne Mutter-Kind-Bereich. Die Wasserfläche hat einen um das circa zweifache grösseren Anteil (Land: 600 m2, Wasser: 1200 m2).



Die Anlage ist klassisch im Halbkreis zum Zuschauer gezogen mit einer hohen Felswand im hinteren Bereich, einer zentralen Felsschollen - Landschaft und dem grossen ebenfalls halb-kreisförmigen Wasserbereich um die gesamte Fläche. Boden und Wände sind aus Schiefer-gestein bzw. Granit."

"Der Bodenbereich hat keine besonderen Strukturen mit Ausnahme der unebenen Kanten des Gesteines selbst. Es gibt eine grössere Erhebung aus geschichteten Steinen an der rechten Seite des Landbereiches. Sie stellt eine Art Sprungfelsen dar, ist aber durch ihre Höhe und die Gesteinsanordnung, die zu Unsicherheiten im Begehen führt, nicht als solcher nutzbar."

"An der linken Gehegeseite befindet sich ein Wasserfall, der vom höchsten Punkt der Anlage Frischwasser zufliessen lässt. Abgeflachte Wassereinstiege gibt es zwei auf der rechten Gehegeseite, einen auf der linken und zwei mittige, die bilateralsymmetrisch auf einen breiteren Flachwasserbereich hinführen."

"Das Gehege ist nach aussen abgesichert durch eine breite und hohe Betonmauer, über die Besucher die Eisbären an Land auf gleicher Höhe sehen, im Wasser aber unter ihrem Aussichtspunkt. Vor der Betonmauer befindet sich ein dem Wasserbereich zugewandtes breites Auffangnetz aus Stahl sowie darunter eine zweireihige Spiesshakenleiste."

"Es gibt zwei Zugänge für die direkt hinter der Felswand liegenden Innenboxen, die wiederum bilateralsymmetrisch angelegt sind. Die Innenboxen bestehen aus betoniertem Boden mit massiven Käfigstäben. Die gesondert angelegte Mutter-Kind-Box liegt etwas entfernt von den anderen, ist abdunkelbar und kann mit einer Kamera ausgestattet werden." (7)

In 2013-2014 ist in der Betonmauer eine Glasscheibe eingebaut. Dort kann man den Eisbären im Wasser auf (fast) gleicher Höhe sehen.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#12 von Frans , 16.03.2015 17:34

Die Journalistin Tanja Laniger beschreibt in 2009 Trolls Alltag in einer ihrer Geschichten aus Zoo und Tierpark. Einige Zitaten daraus: "Wenn Reviertierpfleger Michael Horn Melonen in den Wassergraben wirft, rennt Troll am Fusse eines imposanten Natursteinfelsens hin und her, so weit weg vom künstlichen Wasserfall wie möglich, und schüttelt angeekelt seine Füsse, wenn etwas Nasses drankommt. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, könnte er denken. Am Ende springt er doch ins 96-Meter-Becken - die Süsse der Melone lockt. Ganz anders Gefährtin Aika. Sie geht oft ins Wasser und streckt beim Rückwärtsschwimmen ihre Hinterfüsse elegant in die Luft."

"Ab 12.30 Uhr gibt es Heringe. Eine Trollshow. Sobald der brüllende Proll sich nähert, trollt Aika sich. "Sie gibt nach, will ihre Ruhe haben. Sie ist die Klügere", sagt Horn. Wenn er über Aika spricht, schleicht sich Schmelz in seine Stimme, der Kosename "Schneckenpups" fällt. Troll dagegen wird angebrüllt ... Männer unter sich."

"Hinter den Kulissen haben die Bären getrennte Betten, äh Boxen, "Das tut vielen alten Ehepaaren gut", sagt Horn. Zumal es nicht mehr wuppt. Mit 29 Jahren ist Aika zu alt für Kinder. 1987 [sic] hatte sie ihren ersten Wurf. Damals kam Björn Heinrich zur Welt. Aika liess ihn links liegen. Das Jungtier wurde eine erfolgreiche Handaufzucht - der Knut des Ostens."

Björn Heinrich war das Kind von Aika und Gorki, der von 1979 bis 1997 im Tierpark lebte. Björn Heinrich, geboren am 7. November 1986, hat trotz dass er eine Handaufzucht war, drei Nachkommen, während er in der Zoo Palic in Serbien lebte. Dort ist er am 30. Juni 2011 gestorben. (3) Über mögliche weitere Schwangerschaften von Aika (mit Troll?) ist mir leider nichts bekannt.

In Zusammenhang mit die Geschichte von Frau Laniger ist es interessant zu erwähnen, was Dr. Ulrike Stephan auf Grund ihrer Beobachtungen und Untersuchungen von Troll und Aika aus 2003-2004 konkludiert.

"Troll ist ein auffällig grosses Männchen mit stattlicher Wirkung. Sein Kopf ist den Gesamtproportionen entsprechend normal gross, ist jedoch in seiner massigen Erscheinung einprägend, vor allem durch eine aussergewöhnliche Mimik des Nasenbereiches. Seine Ohren sind normal gross, der Nasenbereich ist gestreckt und schmal."



Troll erwies sich - wie seinem Vater Boris - als sehr dominantes Männchen. Er ist, wie seinem Vater Boris, durch deutliches Komfortverhalten gekennzeichnet. Troll sicherte sich durch sein dominantes Verhalten die Bereiche der Gehege, an denen Aika ihn nicht passieren konnte. In diesen sicheren Zonen wälzte und streckte er sich genüsslich auf allen Vieren aus. Sein Kopf war meist seitlich gelagert oder auf den Vordertatzen, die Augen waren geschlossen. Dösen, Gähnen und Ruhen waren richtige Bestandteile seines Komfortverhaltens.

"Sein exploratives Verhalten ist meist der Annäherung an das Weibchen Aika zuzuordnen, die er nicht aus den Augen liess [...]. Sein geringer Spielanteil war nie interaktiv, sondern auf ein Objekt konzentriert. Die absoluten Häufigkeiten des Sozialkontaktes stehen im Zusammenhang mit denen der Vokalisation: bei jeder Annäherung an Aika vermied sie ihn, ging ihm aus dem Weg und seine Reaktion war Brummen, Fauchen oder Blasen. Er zeigte im Beobachtungszeitraum keinerlei Stereotypien, lediglich zwei Verhaltensauffälligkeiten, die in ähnlicher Weise bei seinem Vater Boris in Wuppertal dokumentiert sind[:]"

"Troll zieht seine linken und rechten Nasenflügel gemeinsam nach hinten, so dass es aus-sieht wie ein Nase rümpfen. [...] Troll lässt sein Maul offen stehen (im Stand und im Liegen) und schliesst es mit einem zitternden Mechanismus wieder." (7)





"Aikas Schwimmaktivität ist weitestgehend als Stereotypie [...] ausgeprägt. Ihr Komfortverhalten besteht vor allem im Dösen, das sie in ihrer inaktiven Phase aufweist, die immer im Wechsel zur Schwimmstereotypie-Phase steht. Auch ihr exploratives Verhalten besteht vor allem im Beobachten des Männchens (Avoidance [= Vermeidung - F.])." Aika ist endgültig das submissive Tier in das Gehege.

Bemerkenswert finde ich, dass Tanja Laninger und Dr. Ulrike Stephan teilweise ungefähr dasselbe beschreiben, aber in ganz unterschiedliche Bewortungen.

Für über vierzehn Jahre lebten Troll und Aika auf der Anlage im Tierpark Friedrichsfelde. Sie werden während diese Zeit zeitweilig begleitet von andere Eisbären, wie Inka (gestorben in 2003). Ich habe leider kein genaues Bild von den Eisbären die während dieser Zeitspanne mit Troll und Aika auf der Anlage im Tierpark Friedrichsfelde lebten.

Dann fand in der zweiten Hälfte von 2011 für der mittlerweile 24 Jahre alten Troll eine neue, grosse und leider wieder einmal nicht erfreuende Ereignis an.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#13 von Frans , 16.03.2015 17:35

Troll in der Zoologischer Garten Berlin




Aus dem umstrittenen Grund, um in Berlin die Möglichkeit einer neuen Zucht zu schaffen, wurde Troll am 24. August 2011 in den Zoo Berlin verbracht, um mit den drei Eisbären Tosca, Nancy und Katjuscha zusammenzuleben.

Daraus wurde aber nichts: Die drei alten Eisbärinnen und der auch schon älteren Neuzugang lieferten sich natürlich normale und auch mal blutige Rangordnungskämpfe. Was aber in der Natur normal ist, ist es nicht automatisch in einem Zoo. Besucher sahen vier erschrockene, verunsicherte Tiere die sich auf der für vier erwachsene Tiere viel zu kleinen Anlage nicht aus dem Weg gehen könnten. Das Berliner Eisbärengehege gab mit so viele Tiere ein Anblick, wie es ihn in Jahrzehnten in deutschen Zoos nicht mehr gegeben hat. Und das auf triftigen Grund.

Wie der Berliner Zooleitung gedacht hat, dass es ein gutes Idee wäre, mit vier solchen alten Tieren (21, 24, 24 und 26) zuchten zu wollen, hat sie insoweit ich weiss niemals deutlich erklärt. Nachdem ich die Dissertation von Dr. Ulrike Stephan las - für der Zoo Berlin bekannte Information - und die Untersuchsergebnisse und Abschlüsse zur Kenntnis nam, entkomme ich persönlich nicht an die Beobachtung, dass das ganze Geschehen schlecht beraten war.

Ob vielleicht andere Motive mitspielten, wie zum Beispiel die grosse Ärger zwischen dem ehemaligen Zoodirektor und Besuchergruppen betriff die Art und Weise der Eisbärenhaltung im Zoo Berlin, ist niemals richtig klar geworden.

Nach andauernde Besucherprotesten musste Troll auf Anweisung des Berliner Veterinäramtes, das aus tierärztlichen Grunden die Zusammenführung kurzweg verbot, zurück. Am 26. September 2011 wird die Zusammenführung beëndet und Troll wieder in den Tierpark gebracht.

Dieses Video von 15. September 2011 von Monika aus Berlin gibt einen Eindrück von vier erschrockenen und verunsicherten Tieren auf einer für ihnen viel zu kleinen Anlage wieder. Bewegtes Bild von freundlicher Momenten zwischen den Vier habe ich gesucht aber nicht gefunden.

 
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RE: Nachruf auf Troll

#14 von Frans , 16.03.2015 17:36

Troll in das Tierpark Friedrichsfelde in Berlin




Troll erholte sich von den Ereignissen, einmal zurück im Tierpark Friedrichsfelde.

Dort lebte Troll dann bis zu seinem Tod. Er konnte in den letzten Jahren im Tierpark Berlin die Aussenanlage nur im Wechsel mit den anderen Eisbären besuchen. Der alte Troll durfte ausendlich nur noch allein auf die Anlage im Tierpark.

Eisbärin Aika (24. November 1980) durfte hingegen mit dem jungen Eisbärenmädchen Tonja (Rostow, 16. November 2009) und dem Eisbärenjungen Wolodja (Moskau, 27. November 2011) raus. Für sie, befreit von der Dominanz von Troll, fang ein neues Leben an, etwas was die inzwischen sehr alte Eisbärin deutlich an zu sehen war und ist.

Weil auch die Anlage im Tierpark eigentlich viel zu klein ist für vier Tiere und die Zusammenführung von den dort lebenden Tieren unmöglich oder problematisch war, war Troll öfter nur am Abend oder sonst gar nicht auf die Aussenanlage.

Troll war die letzten Jahre leider nicht in guter Gesundheit, ein Zustand die sich leider langsam aber sicher verschlechterte.

Am Morgen der 20. Februar 2015, zu Dienstbeginn, fanden die Bärenpfleger im Tierpark Eisbär Troll tot im Innengehege der Eisbärenanlage vor. Troll litt schon seit längerem an einer Leberkarzinomatose und war aufgrund dessen in den vergangenen Tagen schon nicht mehr auf der Aussenanlage zu sehen. Im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) stellten erfahrene Pathologen die Todesursache Leberkrebs fest.

"Es ist immer traurig, wenn eines unserer Tiere stirbt. Allerdings sind wir froh, dass Troll von seinem Leiden erlöst wurde. Wir hätten ihn mit Medikamenten nicht weiter behandeln können", so Direktor Dr. Andreas Knieriem. (5)

Hier endet meine Geschichte von und mein Nachruf für Troll: Die Geschichte der guten und schlechten Zeiten eines bemerkenswerten Eisbären, die zugleich ein Bild gibt von die eckigen Seiten der Eisbärenhaltung in unseren Zoos.














Ruhe in Frieden, Troll.


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RE: Nachruf auf Troll

#15 von Frans , 16.03.2015 17:37

Mein herzlichen Dank geht in erster Instanz an GiselaH die mir mit Rat und Tat bei das schreiben dieser Nachruf geholfen hat. Weiterhin möchte ich gern Dank sagen an (in alphabetische Folge) Frau Sabrina Höft, Dipl. Biologin, wissenschaftliche Assistentin der Zoo Schwerin, Frau Anett Hutschreuther von der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, Monika aus Berlin für ihre Zustimmung für das benützen ihrer Video, Frau Petra Schneider von der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main, Herr Norbert Sdunzik von zoo-wuppertal.net für seine Zustimmung für das benutzen seiner Fotos und Herr Dr. Wolfgang Zessin für seine Hinweise und seine Zustimmung für das benutzen seiner Fotos.

Trotz aller Hilfe sind Fehler in dieser Nachruf nur an mich zu zuordnen.


Quellen:
1. Norbert Sdunzik. Historische Bilder von Eisbären im Wuppertaler Zoo. In: zoo-wuppertal.net
2. Ulli J. Troll ist tot. In: Eisbären im Zoo, 20. Februar 2015
3. Ulli J. Eisbären im Zoo
4. Andreas Spiegelhauer. Zoo: Unser süsser Knut heisst Troll. In: Westdeutsche Zeitung, 5. April 2007
5.Klaus Rudloff. Eisbär-Mann Troll im Tierpark gestorben. In: der Rubrik Tier-News auf die Website vom Tierpark Berlin, 20. Februar 2015
6. Tanja Laniger. Geschichten aus Zoo und Tierpark: Troll - der wasserscheue Eisbär liebt Melonen. In: Berliner Morgenpost, 20. Juni 2009.
7. Ulrike Stephan. Untersuchungen an Eisbären in europäischen zoologischen Gärten: Verhalten und Veränderungen von Stresshormon-Konzentrationen unter Berücksichtigung der Gehegegrösse und Gruppenzusammensetzung. Dissertation, Fakultät für Chemie und Biowissenschaften der Universität Karlsruhe. Karlsruhe, Universität Karlsruhe, 2006. 267 pp.
8. Wolfgang Zessin. Tragischer Tod eines jungen Eisbären (Ursus maritimus) im Zoo Schwerin. In: Ursus, Mitteilungsblatt des Zoovereins Schwerin, 3(1997)1, p.18-20.
9. Wolfgang Zessin. Beobachtungen zum Spielverhalten junger eisbären (Ursus maritimus) im Zoologischen Garten Schwerin. In: Podiceps, 1 (1990), p.25-32.
10. K. Linke, K. International Studbook of the Polar Bear Ursus maritimus 1994. Zoo Rostock, 1996.
11. Joachim Brockmeier. Köln-Riehl: Ein Blick in die Geschichte. Stuttgart, Sutton Verlag, 2013. 95 pp.
12. LeenaP. Erinnerungen an Eisbär Troll. In: Tierforum Knutitis, 22. Februar 2015
13. Mervi. Goodbye, dear Troll
14. Stefanie Schramm. Leitet der Eisbär?. [Interview mit Dr. Gunther Nogge, Direktor des Kölner Zoos (1981-2007) und Dr. Hanno Würbel, Professor für Tierschutz und Ethologie an der Justus-Liebig-Universität Giessen (2002-2011)] In: Die Zeit, 2007 [Genaue Datum unbekannt]

Den Fotos von Eisbär Troll ohne Quellenangabe sind von der Autor dieser Nachruf, aufgenommen in Dezember 2011 und Oktober 2012 im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin.

 
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Hochsommer im Zoo und Tierpark Berlin, 2.-5.7.2015
Bei den Tiere in Berlin, 3.-7.12.2014

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